Harz-Erfahrungsbericht

ab 04.01.2020 regelmäßig


Langlauf, Skating, Wandern | Alle

Deutschland | 600 – 900 m

Schnee im Harz?

Über eine Langlauf-Tagesfahrt mit dem Bremer Skiclub

Sonntag, 6.45 Uhr, bei Nieselregen an der Haltestelle Bremen Leibnizplatz. Die Nachtschwärmer trauen ihren Augen nicht.  Wozu ich meine Ski dabei hätte, werde ich mitleidig gefragt. „Harz? Hehe, willst du Wasserski fahren?“

Drei Stunden später: Nach einer ruhigen Busfahrt, bei der ich noch eine Mütze Schlaf bekommen habe, ist unser Ziel Oderbrück erreicht. Bis Bad Harzburg war kaum Schnee zu sehen. Doch mit jedem Höhenmeter Richtung Torfhaus wurde es weißer und weißer, die letzten Zweifel leiser und die Stimmung im Bus freudiger. Der Parkplatz Oderbrück ist tatsächlich voller Schnee. Und voller Autos – ein Glück, jetzt keinen Parkplatz suchen zu müssen. Raus aus dem Bus, Kette bilden zum Ausladen der Ski. Und dann die richtige Gruppe finden.

Während der Busfahrt hatten die Skiclub-Übungsleiter fünf Touren für die unterschiedlich geübten Läufer vorgestellt. Von den Anfängern, die auf der Übungswiese in Oderbrück das erste Mal auf Langlaufski gleiten sollten, über die mehr oder weniger fortgeschrittenen Teilnehmer mit Kondition für Touren von 12, 15 oder 20 km, bis zu den technisch versierten, sportlichen Läufern, die auch 25 km und mehr schaffen. Die Touren führen zum Torfhaus, zum Achtermann, ins Rote Bruch oder nach Schierke und wurden von den harzkundigen Übungsleitern nach Schneelage und Loipenbericht geplant. Ich bin noch unsicher, ob ich gut genug für die fortgeschrittene Gruppe bin, und frage beim Übungsleiter Udo nach. Bei der Tour sei es wichtig, den Schneepflug sicher zu beherrschen und eine mittlere bis gute Kondition mitzubringen. Die Gruppe werde sich immer am langsamsten Läufer orientieren. Und wer sich total überschätzt habe, könne die Tour auch abkürzen. – Also gut, ich werde es probieren!

Unsere Gruppe besteht aus zehn Personen, bunt gemischt, Männer, Frauen, Jüngere und Ältere, einige davon nicht zum ersten Mal mit dem BSC im Harz. Udo fragt, wer bereit sei, auf der ersten Etappe das Schlusslicht zu übernehmen, das erleichtere es, die Gruppe zusammenzuhalten. Christine macht‘s, Erkennungszeichen pinkfarbene Jacke. Nach ein paar Übungen zum Muskelaufwärmen  geht’s los über den Kaiserweg. Der führt leicht bergan durch den verschneiten Wald zum Rundkurs Rotes Bruch. Der winterliche Harz zeigt sich von seiner schönsten Seite: Weiß überzuckerte Fichten, glitzernde Lichtungen, schmale Wege mit frisch gespurten Loipen, Brücken über zugefrorene Wasserläufe. Nach den ersten Anstiegen geht es endlich bergab. Udo zeigt uns nochmal, worauf es beim Pflug ankommt, damit alle sicher die Einkehr am Königskrug erreichen. Dort essen und trinken wir eine Kleinigkeit und sammeln Kräfte. Denn der höchste Punkt der Loipe und die größte Anstrengung liegt noch vor uns. Ein Paar, das seine Ausdauer überschätzt hat, meldet sich bei Udo ab. Sie wollen lieber eine längere Pause machen und lassen sich auf der Karte erklären, wie sie auf kürzerem Weg nach Oderbrück laufen können. Für uns anderen geht’s jetzt stetig bergauf auf 873 m, zum Dreieckigen Pfahl. Der Schweiß fließt, v.a. weil am Nachmittag sogar noch die Sonne durchkommt. Damit sich die Gruppe nicht zu weit auseinanderzieht, warten wir mindestens an jeder Weggabelung aufeinander. Das klappt super, weil alle aufeinander achten. Weiter geht es erst, wenn auch unser Schlusslicht Christine verschnaufen konnte. Die letzten Kilometer geht es glücklicherweise wieder sanft bergab nach Oderbrück. Gut 20 km und rund 300 Höhenmeter sind auf der Uhr und wir sind pünktlich zur geplanten Abfahrtszeit des Buses wieder am Parkplatz. Geschafft, glücklich und stolz.

Auf der Rückfahrt geht es munter zu, es werden Erlebnisse ausgetauscht und Fotos gezeigt, Thermoskannen und Brotdosen werden geleert. Dann fallen so manchem die müden  Augen zu und es wird ruhig im Bus.

19.30 Uhr, zurück in Bremen, in der Straßenbahn zum Leibnizplatz. Wieder ernte ich mit meinen Ski neugierige Blicke, aber dieses Mal ohne Mitleid oder Spott. Denn an meinem zufriedenen, leicht beseelten Lächeln kann jeder ablesen, dass ich einen herrlichen Tag hatte. Mit dem BSC, auf Ski, im Harz, mit Schnee!

 


Infobox:

  • Im Harz gibt es über 500 Loipenkilometer aller Schwierigkeitsgrade, die bei entsprechender Schneelage gespurt werden (Loipenbericht www.wintersport.harzinfo.de)
  • Der Bremer Skiclub bietet von Januar bis Anfang März an zehn Wochenenden samstags oder sonntags eine Tagesfahrt in den Harz an, sofern die Schneeverhältnisse Wintersport erlauben.
  • Eine Anfängerschulung findet immer statt, auf Nachfrage auch Skating-Kurse/Touren, teilweise auch Wandergruppen. „Alpiner“ können mit zum Wurmberg fahren, allerdings i.d.R. ohne BSC-Skibetreuung.
  • Abfahrt ist 7.07 Uhr am ZOB Bremen, Rückkehr ca. 19.30 Uhr. Die Kosten betragen 20 € für Skiclub-Mitglieder, Kinder bis 15 Jahre 15 €. Für Nicht-Mitglieder ist zweimalig eine Schnupperteilnahme möglich.
  • Eine Langlaufausrüstung muss vorhanden sein, ggf. können Ski, Stöcke und Schuhe in Bremen ausgeliehen werden (Adresse bei der BSC-Geschäftsstelle zu erfragen). Ausleihe im Harz ist tourbedingt nicht möglich.
  • Anmeldung bis mittwochs 12 Uhr vor der geplanten Fahrt online oder in der Geschäftsstelle. Am Donnerstag vor der Fahrt ist ab 19 Uhr auf dem Anrufbeantworter zu hören, ob die Fahrt stattfinden wird.
  • BSC-Geschäftsstelle, Altenwall 24, 28195 Bremen. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 15.00 – 19.00 Uhr sowie Mittwoch 9.00 -13.00 Uhr. Telefon: 0421-73610, Fax 0421-75422, E-Mail: info@bremer-ski-club.de
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